Bier erleben: Gastlichkeit, Genuss und Geselligkeit

Bayerische Bierwoche(n) – ab 23. April 2022

Radler und Russ: Bierige Erfrischung im Sommer

Vor allem in den heißen Sommermonaten erfreuen sich Biermischgetränke aufgrund ihrer Süffigkeit und des geringen Alkoholgehaltes in Bayern großer Beliebtheit.

Das Radler wurde von einem der großen Münchner Originale der Gastronomie, dem Wirt Franz Xaver Kugler, erfunden. Kugler war eigentlich Gleisarbeiter. Er verdiente sein Geld an der Strecke München-Holzkirchen, die Anfang des 20. Jahrhunderts zweigleisig ausgebaut wurde. Die Arbeit war hart, die nächste Wirtschaft weit und so kam Franz-Xaver Kugler auf die Idee, die Bierversorgung seiner Kollegen zu übernehmen. Daraus entstand sein Wirtshaus, die Kugler-Alm, die sich rasch zu einem beliebten Ausfluglokal mauserte. Als das Fahrrad immer populärer wurde, ließ Kugler einen Radweg quer durch den Wald zur Kugler-Alm anlegen, eine bis heute beliebte Ausflugsstrecke. Die Münchner waren davon derart begeistert, dass an einem schönen Samstag im Sommer 1922 gleich 13.000 Radler die Kugler-Alm gestürmt haben sollen. Diesem Riesendurst hielten die Biervorräte nicht stand! Der schlaue Wirt mischte das zur Neige gehende Bier je zur Hälfte mit noch reichlich vorhandener Zitronenlimonade und servierte diese neue Mischung seinen Gästen als „Radlermaß“ mit dem Hinweis, dieses Getränk eigens für die Radfahrer erfunden zu haben, damit sie nicht schwankend nach Hause fahren müssten. Die Radlermaß setzte sich in Bayern schnell durch und fand Liebhaber auch in Norddeutschland. Da zur damaligen Zeit in Bayern das dunkle Bier noch dominierte, war auch das Radler ursprünglich ein Gemisch aus dunklem Vollbier und klarer Zitronenlimonade. Erst im Zuge des allgemeinen Wandels des Verbrauchergeschmacks weg vom dunklen und hin zum hellen Bier vollzog sich diese Veränderung auch beim Radler, das seither aus hellem Vollbier und Zitronenlimonade hergestellt wird.

Die Anfänge der „Russ'n-Maß“

Beim Russ handelt es sich ebenso wie beim Radler um ein Biermischgetränk. Der Russ ist ein urbayerisches Getränk, das aus 50 Prozent Weiß- oder Weizenbier und 50 Prozent klarer Zitronenlimonade hergestellt wird. Für die Herkunft der Bezeichnung „Russ'n-Maß“ liegen unterschiedliche Erklärungen vor. Die gebräuchlichste und auch in der Literatur am häufigsten anzutreffende Erklärung besagt, daß die „Russ'n-Maß“, auch der Russ genannt, ein Kind der Revolution von 1918 ist. Demzufolge soll sie erstmals im Münchner Mathäser-Keller zusammengemischt worden sein, wo sich nach dem Ersten Weltkrieg die kommunistischen Anhänger einer Räterepublik trafen. Ob ihnen nun das Weizenbier ausging, so dass sie sich gezwungen sahen, es mit klarer Zitronenlimonade zu strecken, oder ob ihnen die Mischung von Weizenbier und klarer Zitronenlimonade zu jeweils gleichen Teilen verordnet worden war, damit sie nicht durch zu hohen Alkoholkonsum schnell müde wurden (beide Erklärungen sind in der Literatur zu finden) – in jedem Fall erlangte dieses neugeschaffene Mischgetränk schnell große Beliebtheit. Im Münchner Volksmund wurden diese kommunistischen Anhänger der Räterepublik als „Russ'n“ bezeichnet. Dieser Begriff setzte sich in der Folgezeit dann auch recht schnell für deren Lieblingsgetränk durch, die Russ'n Maß.

Die Bereitung von Radler und Russ blieb bis 1993 dem Wirt vorbehalten: Erst in der Gaststätte wurden Bier und Limonade gemischt, denn das Biersteuergesetz verbot bis zu seiner Neufassung, die zum 1. Januar 1993 Gültigkeit erlangte, die Herstellung fertiger Biermischgetränke.